Wie Du Dir Deinen Schufa-Score mit einer 0%-Finanzierung versaust

Es ist mir tatsächlich passiert obwohl ich es nie für möglich gehalten hatte. Ich wollte für meine Reise ein Konto bei der DKB-Bank eröffnen, damit ich mit der dort vorhandenen Kreditkarte günstig im Ausland Geld abheben kann und keine horrenden Gebühren auf meinem langen Trip durch Süd-Ost-Asien auf mich zu kommen. In New-York ist mir das bereits auf die Füße gefallen und nach nur 10 Tagen hatte ich stolze 50 € an “Auslandseinsatz”-Gebühren mit meiner regulären VISA-Karte der Deutschen Bank gesammelt. Das passiert mir nicht ein zweites mal.

Aber zurück zum Thema. Ich bin eigentlich überhaupt kein Mensch für Kredite. Ich zahle lieber alles sofort, ansonsten kann ich es mir halt nicht leisten. Die einzige Ausnahme war bisher mein lang laufender Kredit für die Berufspiloten-Ausbildung, das ließ sich halt einfach nicht anders stemmen.

Rückblick

Im Mai dieses Jahres wurde in meine Wohnung eingebrochen und es wurden mein iPad und vor allem mein Macbook gestohlen. Viel mehr wertvolles war auch nicht zu finden und beides war bereits auch in die Jahre gekommen. Nun ging ich auf die Suche nach einem neuen Macbook und da dies ja mein Arbeitsgerät war, entschied ich mich für die so ziemlich teuerste Variante, da das Gerät ja eine Weile halten muss. Da ich noch keine Rückmeldung von der Versicherung hatte und ich mir meine Liquidität mit dieser Anschaffung nicht nach unten drücken wollte, entschied ich mich dafür direkt im Apple-Store zu kaufen und die dort angebotene 0%-Finanzierung zu nutzen. Alles hat super geklappt und bald war das Macbook da.

Die SCHUFA und ihre Algorithmen

3 Monate später reifte in mir die Entscheidung, weg zu gehen und ich suchte nach günstigen Kreditkarten. Alle schwärmen dabei von der DKB-Bank also dachte ich mir, ich probiere das einfach aus. Das Konto ist ja kostenlos und die Kreditkarte auch. Ich gab alle meine Daten online ein und wurde … ABGELEHNT …

Meine erste Reaktion war nur “Whaaaat?!”. Ich ging davon aus, dass es sich um einen Fehler handeln musste, also bat ich um persönliche Einzelfallprüfung. Auch hier wurde mir kein besseres Ergebnis mitgeteilt.

Was war also passiert? Warum wurde ich inzwischen nicht mehr als guter Kunde wahrgenommen obwohl ich immer zuverlässig gewesen bin in meinen Zahlungen?

Ich war also angestachelt und habe mir auch Gedanken darüber gemacht wie das sein kann. Dann kam ich auf die Idee, eine kostenlose SCHUFA-Auskunft zu beantragen, die jedem ein mal pro Jahr zusteht. Hier werden alle wichtigen Infos, die in der SCHUFA über einen eingetragen sind, dargestellt. Telefontarife, Bankkonten, Kredite und auch Anfragen zu Adresse und Konten können hier nachgelesen werden.

Plötzlich hatte ich es schwarz auf weiß. Die SCHUFA hatte die “Erfüllungswahrscheinlichkeit” nach der 0%-Finanzierung bis zur Anfrage der DKB von bisher 97,33% auf 87,05% abgesenkt (um ganze 10,28%). Als Bedeutung wurde nun nicht mehr “geringes bis überschaubares Risiko” sondern “deutlich erhöhtes bis hohes Risiko” angegeben.

Nun rief ich bei der SCHUFA an und erklärte dem wohlgemerkt sehr netten Mann am anderen Ende der Leitung, was ich möchte und fragte danach, wie wir das beheben könnten.

Warum nun diese schlechte Einstufung?

Die Erklärung der SCHUFA war einerseits einleuchtend, andererseits sieht man hier, wie schnell man mit anderen Menschen in einen Topf geworfen wird in der Statistik und im Algorithmus:

Im Endeffekt macht es die SCHUFA ähnlich wie Amazon es tut. Sie schaut, welche Personengruppen welche Entscheidungen treffen. Die Entscheidung, eine 0%-Finanzierung über einen Betrag von unter 3.000 € aufzunehmen treffen offensichtlich bevorzugt Menschen, die nicht viel Geld verdienen und sich somit an vielen Ecken das Leben mit 0%-Finanzierungen o.ä. versüßen. Diese geraten laut der Einschätzung der SCHUFA dann schnell in einer Überschuldung und Peter Zwegat muss anrücken. Daher wird das Risiko deutlich höher bewertet.

Man wird nun mit diesen Menschen in einen Topf geworfen. Ganz nach dem Motto: “Wer dies gekauft hat, hat auch das gekauft.”

Um seinen SCHUFA-Score also einigermaßen im grünen Bereich zu halten, sollte man sich überlegen, welche Entscheidungen würden Menschen treffen, denen es finanziell nicht so gut geht wie mir, und diese Entscheidungen dann meiden. Dazu gehören eindeutig diese 0%-Finanzierungen.

Was hilft bei einem schlechten SCHUFA-Score? Happy-End?!

Glücklicher Weise gibt es doch noch ein Happy End. Ich konnte einen Monat später bereits mein DKB-Cash-Konto beantragen und inzwischen trudeln die ersten Briefe mit PINs, etc. ein.

Folgendes hat scheinbar dann doch noch dazu geführt, dass der Score zumindest wieder auf über 90% und damit auf “zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko” geklettert ist:

  • Kündigung einer nicht genutzten Kreditkarten (bei mir war es eine Kreditkarte vom Arbeitgeber für Reisekosten)
  • Prüfen und beheben von Adressfehlern bei der SCHUFA (bei mir hatte sich eine Adresse eingeschlichen, an der ich nie gewohnt habe, es fehlte lediglich die letzte Ziffer meiner Hausnummer und dies führte zu einem falschen Adresseintrag)
  • Kündigung von Telekom-Verträgen

Was man NICHT tun sollte:

  • Kredite, die man ein mal geschlossen hat sollte man regulär abbezahlen und NICHT Sonderkündigen. Laut der Schufa würde einem dies als “negative Vertragstreue” ausgelegt. Also lieber das Konto auf ein Sparbuch legen und von dort aus die Kreditraten bezahlen, wenn man das Geld plötzlich doch über hat. So mache ich es jetzt jedenfalls 😉

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