Koh Rong

Koh Rong (06.03.-09.03.)

2016-03-06 12.30.29Ich wartete wie vereinbart eine Stunde vor Abfahrt der Fähre auf mein „Pickup“ vom Hostel. Die Zeit verstrich und niemand kam. Also fragte ich an der Rezeption, wann mit einer Abholung zu rechnen sei. Diese sagte mir zuerst dass jemand kommen würde, organisierte dann aber einen Fahrer, der mit mit dem Roller und meinem kompletten Gepäck in Windeseile zur Fähre fuhr. Ich bin immer wieder beeindruckt, wieviel Krempel man auf solch einem Roller transportieren kann!

Ich hatte das „Slow Boat“ gebucht und der etwas rostige Kahn machte keinen wirklich tollen Eindruck. „No Risk No fun“ dachte ich und legte mich auf’s obere Deck in den Schatten. Die 2 stündige fahrt nach Koh Rong verlief erstaunlich ereignislos. Ich hörte Musik und genoss die Ruhe.

2016-03-09 09.06.43In Koh Rong angekommen ging zuerst die Suche nach einem Hostel los. Man kann hier nur schwer online Buchen aber der Strand ist so überschaubar dass man nicht weit laufen muss. Nachdem ich mir 1-2 ziemlich schreckliche Zimmer angeschaut hatte entschloss ich mich dafür in „Coco’s“ zu bleiben in einem 10er Zimmer (in dem Betten auch doppelt belegt werden konnten). Es war von den zur Auswahl stehenden Hostels doch irgendwie das angenehmste. Leider befindet es sich derzeit in massiven Aufbaumaßnahmen weswegen quasi überall Baustelle ist und vieles nicht oder nur Teilweise funktioniert. So musste die Toilettenspülung ein mal repariert werden und regelmäßige Stromausfälle sind eigentlich normal, was aber daran liegt, dass Strom hier mit Generatoren erzeugt wird, die halt ab und zu mal ausfallen. Schlimmer war wohl, dass man das Gefühl hatte, dass die Konstruktionen, die hier gebaut werden nicht wirklich lange halten. Unser Zimmer wirkte recht neu und unter uns wurde gerade noch gebaut. Trotzdem wirkte das Spülbecken schon, als würde es gleich abfallen. Auch die Abflüsse waren scheinbar so gebaut, dass sie gerne mal einen “zarten Duft” abgeben. Die Khmer sind scheinbar nicht für besonders hohe Baukunst bekannt 😉

2016-03-09 09.06.54Noch an der Rezeption lernte ich meine erste Mitbewohnerin, Setty aus den USA, kennen. Wir verstanden uns sofort gut und unterhielten uns nach dem Einchecken bei einem Drink und erkundeten am Abend ein wenig die Insel. Am nächsten Tag entschlossen wir uns, den Trek durch den Dschungel von ca. 45 minuten auf uns zu nehmen um zum „Long Beach“ zu kommen. Man hätte auch das Taxiboot nehmen können, aber ich hatte Lust ein wenig zu laufen. Unsere Zimmergenossinnen Hannah und Harriet schlossen sich uns an und wir hatten einen wirklich lustigen Trek. Harriet brauchte keine 2 Minuten um rumzujammern wie anstrengend das jetzt wäre und wir machten uns den Weg über einen riesen Spaß daraus zu jammern. Der Trek hat sich aber in jedem Fall gelohnt. Irgendwann konnten wir das Wasser sehen und als wir dann endlilch am Strand angekommen waren, waren wir verblüfft von der Schönheit dieses Strandes. Der Sand war so fein, dass er bei jedem Tritt quietschte und das Wasser war unglaublich klar. Der Stand war so lang, dass man hier leicht ein ruhiges Plätzchen finden konnte.

2016-03-07 11.51.52Durchgeschwitzt wie wir waren konnten wir aber nicht abwarten endlich ins Wasser zu springen. Wir legten also sofort unsere Rucksäcke ab und sprangen ins Wasser, das mit ca. 30° sehr angenehm warm war. Long Beach ist bisher definitiv der schönste Strand den ich gesehen habe. Wir haben den ganzen Tag dort verbracht und auf dem Weg noch weitere Leute kennen gelernt.

Zurück nahmen wir dann das Taxiboot, das pünktlich kurz nach Sonnenuntergang ablegte. In der Nacht zurück zu trekken ist für unerfahrene doch ein bisschen zu gefährlich und es haben sich hier wohl schon einige verlaufen. Darüber hinaus wollten wir noch den floureszierenden Plankton sehen, den es hier gab. Wir sprangen daher nach einer kurzen Bootsfahrt ins Wasser und bei jeder Schwimmbewegung konnte man hunderte grüner leuchtender Punkte um einen herum sehen. Ein wirklich lustiges Schauspiel.

2016-03-07 11.27.01Zurück am Strand waren wir inzwischen extrem hungrig und aßen wieder bei dem Franzosen, der mit sehr viel liebe Spaghetti Bolognese zubereitete. Ich aß darüber hinaus noch einen hot dog bei ihm, da ich wirklich ganz schön hungrig vom Tag war. Dieser sollte mir dann in der Nacht vermutlich zum Verhängnis werden.

Wir verbrachten den Abend noch gemeinsam und irgendwann war mir doch nach etwas mehr Ruhe. Ich zog mich an einen verlassenen Strand zurück und genoss die Ruhe und das Meeresrauschen und die sternenklare Nacht. Gegen 2 Uhr ging ich zurück in mein Zimmer und legte mich schlafen. Irgendwann kam dann das Gefühl von Übelkeit auf und es kam wie es kommen musste und wie es schon so viele vor mir auf dieser Insel erlebt haben. Durchfall. Die Nacht verbrachte ich daher an einem weniger schönen Ort als meinem Bett und schlief dann irgendwann, als alles wichtige raus war, noch bis 12.

2016-03-07 12.01.16Als ich mir dann etwas Wasser kaufen wollte, stellte ich fest, dass die Bauchtasche mit meinem Geld und meiner Kreditkarte nicht da war. Ich durchsuchte das gesamte Zimmer und fand nichts. Ich erinnerte mich daran, dass ich sie Nachts vll. auf den Stein gelegt hatte, als ich am Wasser war. Also raffte ich mich auf und lief zu der Stelle an der ich am Vorabend gesessen hatte.

Tatsache! Die Tasche lag noch da. Als ich sie sah war ich bereits erleichtert, allerdings wich diese Erleichterung schnell der Ernüchterung als ich feststellen musste, dass jemand die Tasche scheinbar bereits vor mir gefunden und ausgeräumt hatte. Jetzt war also meine Kreditkarte und die ca. 180-200$ weg, die ich abgehoben hatte, um genügend Geld auf der Insel ohne Geldautomaten für mehrere Tage zu haben.

In diesem Augenblick ging es mir körperlich das erste mal richtig schlecht auf meiner Reise. Ich war dehydriert, fühlte mich schlapp und mir war schlecht. Mir war heiß und ich war zusätzlich damit konfrontiert, dass ich jetzt zusehen musste, was ich mache um von der Insel zu kommen. Schließlich, so glaubte ich, war auch noch mein Rückfahrticket in der Tasche sowie meine Krankenkassenkarte und mein Führerschein.

2016-03-07 12.02.37Ich lief also zurück zum Hostel und fragte, was ich wohl am besten tun sollte. Ich ging zum Schalter für das Boot und mir wurde bestätigt, dass es kein Problem wäre, wieder zurück zu kommen, auch ohne Ticket, da das Slow Boat wohl nicht so ausgelastet sei. Im Hostel sagte man mir ich könnte bei der Polizei etwas weiter den Strand hinunter nachfragen ob etwas abgegeben wurde. Ich lief dort hin und ein einsamer Khmer lag schlafend in seiner Hängematte. Er war sichtlich überrascht als ich ihn aufweckte um zu fragen, ob bei ihm etwas abgegeben worden sei. Er verstand kein Wort und so blieb mir nichts weiter als noch mal am Strand zu schauen, ob derjenige, der sich das Geld genommen hat, die Karte nicht vielleicht einfach irgendwo hin geschmissen hat. Auf der Insel ist damit eh nichts anzufangen und ohne PIN bekommt man auch kein Geld.

Sichtlich zerstört kehrte ich dann ohne Ergebnis ins Hostel zurück. Ich konnte direkt an der Rezeption noch 30 € in 30 $ tauschen um zumindest ein wenig Bargeld zu haben für die nächsten 2 Tage.

Ich schlief mich bis Abends ein wenig gesunder und hatte glücklicher Weise keine besonders großen Probleme mehr mit dem Magen als ein latent flaues Gefühl. Abends beschloss ich dann, der Empfehlung der Rezeption zu folgen, und einfach an jeder Bar zu fragen, ob etwas abgegeben wurde. Ich fing an der Seite an, die am nächsten zu dem Ort lag, an dem ich die Tasche verloren hatte. Ich zeigte ein Bild der Karte herum und erntete lediglich Kopfschütteln.

2016-03-09 09.06.54Als ich dann in der 5. Oder 6. Bar war sagte der Typ an der Bar doch tatsächlich „hey, ich glaube die haben wir gefunden“ … Ich war überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte bereits meine andere Bank informiert, dass ich meine Karte in Südost-Asien benutzen werde damit sie sie nicht sperren. Sicherheitshalber habe ich nämlich 3 Kreditkarten dabei, die ich an unterschiedlichen Orten mit mir führe. Das Selbe hätte ich wohl auch mit meinem Geld machen sollen.

Ein junger Engländer hatte dann tatsächlich meine Karte. Er hatte sie von einem auf der Insel lebenden Khmer bekommen, als er von einem Tauchgang zurück kehrte. Dessen Tochter hatte die Karte am Strand, unweit von der Stelle, an der ich die Tasche hatte liegen lassen, gefunden. Da ich noch 2 andere Karten vermisste, gingen wir am Abend noch zu der Familie und fragten noch ein mal nach ob evtl. auch die anderen beiden Karten gefunden wurden.

2016-03-08 13.46.03Wir wurden in eine Ecke der Insel geführt, die ausschließlich von Khmer-Familien bewohnt wird. Kein Tourist kommt hier vermutlich sonst entlang. Es wirkte sehr ärmlich. Die Khmer hausten auf den Steinen auf denen sie provisorische Hütten aufgebaut hatten. Bis zu 40 Menschen lebten hier auf engem Raum. Die ganze Familie war sofort da und sie erzählten dem Barmann wie sie die Karte gefunden hatten und dass sie nur eine gefunden haben. Sie führten uns noch ein mal zum Fundort um nach den anderen Karten zu suchen aber wir fanden nichts. Wir bedankten uns bei der Familie und ich ging sichtlich erleichtert zurück ins Hostel.

Dort angekommen fing ich an, meine Sachen für die Abfahrt am nächsten morgen zu packen und siehe da, ich hatte die Karten und das Rückfahrtticket ganz unten in meinem Locker zu liegen, da ich sie scheinbar schon wohlweißlich nicht mit mir rumtragen wollte. Es war also alles wieder da bis auf das Geld.

Ich persönlich glaube, dass die Kinder die Tasche mit dem Geld und der Karte gefunden und geleert haben. Ganz wie Sherlock Holmes habe ich nämlich die Fußspuren am Strand angeschaut und 2 paar Fußabdrücke von Kindern gesehen. Um ehrlich zu sein hoffe ich, dass es so ist. Das Monatseinkommen einer solchen Familie liegt bei ca. 145 $. Ich wünsche mir, dass sie das Geld gefunden haben und für sich und ihre Familie nutzen können, es ist mir in jedem Fall allemal lieber als wenn ein anderer Reisender sich das Geld einsteckt und es dann für einen ganzen Berg voller 75ct. Biere ausgibt.

Am nächsten Morgen ging es dann zurück nach Sihanoukville mit dem rostigen Slow Boat.

2016-03-07 18.05.06

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