Dalat

2016-03-12 17.22.10Es ist früh um 6 als ich in Dalat mit dem Nachtbus ankomme. Die Straßen sind leer und das süße kleine Städtchen scheint sich noch im Winterschlaf zu befinden. Ich werde mit einem kleinen Transporter zum Hostel gebracht und an der Hauptstraße abgesetzt. Dort sehe ich nur einen einzigen Touristen, der sich grade ein Brötchen geholt hat. Ich laufe zum Hostel und warte darauf, dass dieses öffnet. Das “Cozy Nook” ist ein kleines Familienhostel und hat sehr gute Bewertungen bekommen.

Nach ein paar Minuten schaut auch der Tourist mit dem Brötchen am Hostel vorbei und wir lernen uns kennen. Er heisst Sam, arbeitet als Koch und kommt aus Atlanta. Wir verstehen uns von Anfang an gut und fahren in die selbe Richtung.

12819458_1134261799940100_4843764693915536785_oNachdem das Hostel geöffnet hat, erkundige ich mich nach Möglichkeiten, den Tag zu verbringen. Es bietet sich an, eine Canyoning-Tour zu buchen, bei der man sich in Wasserfälle abseilt und ein wenig durch die Wälder trekkt. Außerdem kann man eine natürliche “Wasserrutsche” rutschen und von ca. 10m vom Kliff springen. Das klingt nach einer Tour, die mir gefallen könnte. Es hat sich im Hostel auch bereits eine größere Gruppe zusammen gefunden, die das Abenteuer an diesem Tag machen wollen. Insgesamt sind wir 10, davon der Großteil aus Kanada, sowie eine weitere deutsche und 2 Niederländer.

12828514_1134258999940380_6018327484696548934_oWir fahren um 9:30 los zum ersten Wasserfall, so dass ich genügend Zeit für den Checkin habe und meine Sachen sortieren kann. Ich bin zwar schon ein wenig müde, aber ich habe Lust bekommen auf ein Abenteuer, so dass ich den ganzen Tag hellwach durchstehe.

Im Transporter zum Wasserfall stellt sich unser Guide vor als “Lee” oder auch “Bruce Lee” bzw. “Handsome Lee”, wie er gerne genannt wird. Er ist ein junger Typ, schätzungsweise anfang 20 und ist sehr lustig drauf. Er hat noch 2 Kollegen mitgebracht, einer stellt sich als “Ken” oder auch “Heine-ken” vor. Die Jungs haben eine menge Spaß daran, sich lustige Namen zu geben, die auch Westeuropäer aussprechen und sich merken können.

12496160_1134259123273701_3779180922256240395_oAm Wasserfall angekommen probieren wir zuerst im “Trockenen” wie das mit dem Abseilen funktioniert und bekommen vorher noch unseren Wet-Suit, Helm und Harness zum Abseilen. Ich entscheide mich, meine Gopro auf dem Helm anzubringen, weswegen es in meinem Abschlussvideo auch einiges vom Canyoning zu sehen geben wird.

Die ersten Abseilversuche gestalten sich nicht sonderlich schwer und wir fangen mit dem ersten Wasserfall an, hier geht es nur eine Wand hinunter mit leichten Sprüngen um am Ende im Wasser zu landen und zum Ufer zu schwimmen. Es ist ungewohnt mit Schuhen und 12828972_1134262023273411_9170483292306114950_oSchwimmweste zu schwimmen wie ich finde. Danach geht es zum, aus meiner Sicht, spannendsten Wasserfall. Die Mannschaft von Bruce Lee hat auch reichlich zu Essen mitgebracht, so dass wir uns erst
einmal stärken. Man seilt sich hier im rauschenden Wasser ab und am Ende lässt man für die letzten 3m einfach los und fällt mit dem Rücken voran flach auf das Wasser, das hier nur 1,5m tief ist. Es macht unglaublich spaß den anderen zuzusehen und sich dann auch selbst abzuseilen.

1400477_1134257479940532_7076516279363368160_oDanach geht es weiter zum dritten Wasserfall, der “Washing Machine”. Bei diesem seilt man sich ein Stück an der Wand hinunter ab und dann gerade hinunter ohne Wand mit dem Wasserfall von der Seite. Man seilt sich durch den Strom des Wassers ab, und sobald man die Wasseroberfläche erreicht hat, lässt man los und treibt ein Stück flussabwärts.

Das Canyoning macht unheimlich viel Spaß und zwischendrin rutschen wir noch eine “Wasserrutsche” hinunter und springen von einem 10m Felsvorsprung in das daruner liegende Wasser. Für alle, die gerne aktiv sind kann ich eine solche Tour nur empfehlen. Sie hat nur 40$ gekostet und war ihr Geld allemal wert.

12829086_1134262893273324_2711839124563926545_oNach einem kurzen Trek über Stock und Stein sind wir wieder am Transporter und es ist bereits 15 Uhr. Die Zeit verfliegt, wenn man Spaß hat! Allerdings gibt es auch ein Thema bei dem Ganzen, das nicht so schön ist. Erst im Februar sind an einem der Wasserfälle 3 britische Backpacker um’s Leben gekommen. Die Geschichten davon habe ich bereits vor meiner Ankunft in Dalat von Reisenden gehört und je nachdem, wen man fragte kam eine leicht andere Geschichte heraus. So richtig genau weiß wohl niemand, wie es zu dem tragischen Unfall kommen konnte. Fakt ist wohl nur, dass die 3 keine Canyoning-Tour gemacht haben sondern mit einem Guide ohne Ausrüstung irgendetwas getan 2016-03-12 18.16.49haben und es dabei zu dem Unfall kam. Ich habe mich jedenfalls bei der Tour zu jedem Zeitpunkt extrem sicher gefühlt und die Jungs haben einen guten Job gemacht uns auf potentielle Gefahren hinzuweisen und uns gut zu instruieren.

Wir fahren zurück zum Hostel, wo netter weise unsere völlig verdreckten und nassen Schuhe für uns gewaschen werden.

Kurz darauf treffen sich fast alle zum “Family Dinner” was ich eine tolle Einrichtung finde. Man lernt so beim Essen ganz einfach die anderen im Hostel kennen und das Essen ist einfach super lecker.

2016-03-13 05.31.32Am nächsten Tag haben Sam und ich uns zu einer “Easy Rider Countryside Tour” verabredet, bei der wir von ein paar Einheimischen mit Motorrädern die Umgebung um Dalat gezeigt bekommen. Alles, was wir tun müssen, ist uns hinten auf das Motorrad zu setzen und die Umgebung zu genießen.

Wir trekken kurz auf einen kleinen Hügel mit tollem Ausblick über Dalat und fahren zu einer der Pagoden, wo wir die Tempel besichtigen und uns die Statuen anschauen können.

Danach geht es zu einer Kaffeeplantage. Vietnam ist nach Brasilien der zweitgrößte Exporteur von Kaffee und unter anderem gibt es hier eine Spezialität, die ein wenig eigenartig anmutet. Auf der Kaffeeplantage, die wir besuchen sitzen in ein paar Käfigen ein paar Wiesel, die so vor sich hin schlummern. Diese essen gerne die Kaffeebohnen, verarbeiten diese aber nicht komplett bei der Verdauung und fügen wohl dabei noch Enzyme hinzu. Das Endprodukt landet dann unter den Käfigen und nennt sich “Weasel Poop”. Dieser wird dann aufgesammelt und gereinigt und dann zu einem speziellen, besonders teuren, Kaffee. Da ich keinen Kaffee trinke habe ich auch den “Weasel Poop” Kaffee nicht ausprobiert aber ich habe mir sagen lassen, er schmeckt wie normaler Kaffee.

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Das nächste Ziel ist der Elephant Waterfall. Dalat hat einiges an Wasserfällen und Natur zu bieten. Wir laufen über einen kleinen Weg zum Wasserfall und klettern dann ein wenig auf den Steinen davor herum um dann über einen kleinen Gang direkt unter den Wasserfall zu gelangen, was ein echter Spaß ist, wenn auch etwas nass.

Nach dieser einmaligen Erfahrung fahren wir weiter zu einer Seidenfabrik. Dort bekommen wir genau erklärt, wie Seide hergestellt wird und das ist durchaus sehr spannend. Die Seidenwürmer spinnen einen Kokon aus Seide, in dem sie sich verpuppen, um später als eine Art Motte wieder zum Vorschein zu kommen. Diese Kokons werden dann gesammelt und über ein Wasserbad und eine große Maschine, die von fleißigen Vietnamesischen Frauen bedient wird, in einzelne Fäden verwandelt. Der Job sieht Knochenhart aus und ich bin erstaunt, wie die Frauen es schaffen, die Fäden so gut auf die Maschine zu bekommen. Die Motten werden natürlich auch wiederverwertet als Nahrungsmittel. Wir probieren einige vor Ort und irgendwie haben sie einen Geschmack von Erdnüssen. Unsere Begleitung Mary ist von den frittierten Motten nicht so begeistert 😉

2016-03-13 10.35.21Besonders begeistert mich als Software-Entwickler aber die Maschine, die aus Seide Stoffe herstellt. Diese ist mit riesigen Lochkarten ausgestattet, die das zu webende Muster vorgeben. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie jemand aus dem Kopf das richtige Muster auf die Lochkarten bringen kann. Die Muster sahen jetzt nicht unbedingt einfach aus und es muss ein riesiger Aufwand gewesen sein, diese Muster-Karten zu erstellen. Ich bin schwer beeindruckt! Damit hatte ich nicht gerechnet.

Zum Schluss fahren wir noch zu einer Reiswein-Herstellung und lassen und zeigen, wie Reiswein destilliert wird. Dabei wird der Reis fermentiert und am Ende destilliert. Heraus kommt ein hochprozentiges Gesöff mit 40-60% Alkoholgehalt. Könnte man vermutlich auch in den Motorroller kippen das Zeug 😉

2016-03-13 13.35.42Da die Reiswein-Destillerie auch noch einen kleinen angeschlossenen “Zoo” hat, sehen wir noch Heuschrecken, Krokodile, Stachelschweine, Meerschweinchen und einige Tiere mehr, die in ziemlich beengten Verhältnissen gehalten werden. Es sieht so aus, als wären dies primär Nutztiere bzw. Tiere zum Verzehr. Was die wohl mit den ganzen Meerschweinchen anfangen? Wir haben lieber nicht näher nachgefragt. Wir probieren, bevor wir gehen, dann noch geröstete Heuschrecken und etwas Reiswein und fahren dann leider durch leichten Regen zurück zum Hostel.

Abends gibt es wieder das bekannte Family Dinner und danach entscheiden wir uns mit einer kleinen Gruppe noch in die “100 roofs bar” zu gehen. Eine solche Bar würde es in Deutschland schon aus Brandschutzgründen nie geben. Man geht durch kleine Gänge in eine Art dunkles Labyrinth und kann sich hier ganz schön verlaufen. Es ist eng und dunkel und irgendwie cool. Warum die Bar allerdings 100 roofs bar heisst, obwohl es ja keine Dächer gibt, erschließt sich und noch nicht so ganz. Zusammen mit dem “Crazy House” ist das eine der Attraktionen von Dalat. Wir trinken ein paar Bier, spielen “Verstecken” und genießen den Abend. Auf dem Rückweg holen wir uns noch ein leckeres Baguette von der Bäckerei und ab in’s Bett.

Man merkt besonders am Baguette, dass Frankreich früher Kolonialherrscher in Vietnam war. Es gibt zahlreiche Gerichte, die mit Baguette kombiniert werden, zum Beispiel “Bánh Mi“, das extrem lecker schmeckt und mit Gemüse und Fleisch gemacht wird.

Am nächsten Tag geht es dann auf die wohl längste Fahrt meiner Reise. 18 Stunden mit dem Bus von Dalat nach Hoi an. Sam hat sich entschlossen ebenfalls zu fahren, aber er landet in einem anderen Bus als ich. Mehr zur aufregenden Busfahrt und zu Hoi An kommt in Kürze.

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